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Den Artikel „Orgasmus als Reset im Gehirn“ von Yatro im Newsletter 9/2017 findest Du hier!


Die Liebe erinnern – Tantra, Polyamorie und Fragen

Vor kurzem verbrachte ich einige Tage als Gasthelferin in einer sich im Aufbau befindenden Lebensgemeinschaft, die auch einer polyamoren Ausrichtung Raum geben möchte, inspiriert und ähnlich wie in Tamera, einer seit vielen Jahren bestehenden Lebensgemeinschaft in Portugal. Die Begründer u.a. Leila Dregger, Sabine Lichtenfels und Dieter Duhm, schafften es die 68ziger Flower Power Energie in ein Liebesprojekt zu kanalisieren, das in vielfältiger Weise aufgeblüht ist. Hier im vor Ort Projekt, im Bayrischen Wald, wirbeln viele Kinder und bis jetzt um die dreißig Menschen zwischen Anfang Zwanzig bis Mitte Siebzig durch ein zukunftsträchtiges Lebens-Liebe-Modell.

In das mitmenschliche Klima einer vibrierenden Lebendigkeit, mischt sich ein Hauch, erotisches Aroma. Oder ist es meine gefärbte Wahrnehmung, da ich mehrfach auf meine tantrische Vergangenheit angesprochen werde?
Als Gasthelferin in der Küche zu landen ist wahrscheinlich und so ist es dann auch. An der Eingangstür zur Küche steht „Food is Love, made eatable“. Mir fällt dazu noch ein weiterer Satz, aus der Zeit bei Thorwald Dethlefsen ein, den ich nie vergessen habe: „die Küche, in Wohnung und Haus, steht für Sexualität.“

Zwischen Obst waschen und schneiden, Brötchen aufbacken, Salz und Pfeffer nachfüllen, das Buffet vorbereiten, den Boden kehren und Wasser filtern, habe ich Zeit darüber zu sinnen, was das Erscheinungsbild und der Umgang der Menschen in der Küche miteinander, mir zu diesem Lieblingsthema erzählen wollen. Bei diesen ganz alltäglichen Arbeiten, reflektiere ich meine eigene Lebenssituation und meine Absichten und tauche mit einem Schatzsatz wieder auf: „Illusionen sind die bunten, schmerzhaften Umwege die wach machen wollen, für eine Realität, die gelebt werden will.“

 

Trend oder beherzte Chance für ein liebendes Miteinanders

In der Ankündigung eines Artikels im Spiegel Ausgabe 10/4.3.2017 zum Thema Polyamorie lese ich, dass es sich hier um einen Trend in bestimmten Teilen der Gesellschaft handelt: „bei dem aus dem alten Männertraum, ein feministisches Projekt und die endgültige Emanzipation geworden ist…“ aha, und weiter „…das sich von männlich geprägten Beziehungsmustern verabschiedet.“ Beim Zeitgeist-Stempel kommen mir Zweifel, auf welcher Basis die Möglichkeit Viele zu lieben stehen will, kann und darf: „Traut sich eine zukünftige Gesellschaft hinaus, aus der Manipulationsfalle von Schuld und Scham“.

Im Sinne einer TANTRISCHEN DESTILATION wäre es mir lieber eine Frage an das jeweilige Geschlecht zu stellen:
Mann: „Bist du reif in der Liebe der Frau anzukommen?“
Frau: „Bist du reif die Liebe der Männer anzunehmen?“

 

LIEBE braucht den Pulsschlag der authentischen FREIHEIT.

Eine reflektierende Bewusstseinsbildung zwischen einem schnell wechselnden Befindlichkeitswollen, ob nun sexuell u/o emotional betont, und einer Ausrichtung mit Blick auf die Liebe, und die mit Vielen, setzt eine ordentliche Portion Unterscheidungsvermögen voraus.

Den organischen Wandel als Wert und Wachstumschance von einem Dies und Das Wollen unter welchem Dogma auch immer, zu unterscheiden, ist ein beherztes Ringen und verdauen/heilen der eigenen Wunden und Grenzen.

Wer schon ein paar Jährchen und Beziehung auf dem Buckel hat, weiß, ein beflügeltes Herz und befreite Liebe, hat einiges an Knochenarbeit, gefolgt vom einem Talgang der Hingabe, hinter sich. Und kann jetzt leichter in gegenwartsbezogenem Annehmen und Loslassen, dem Leben, wie dem Sterben, ins Gesicht schauen. Geduld, Aufrichtigkeit und Humor, immer wieder bereit sein hinzuhören und hinzufühlen, sind dabei hilfereiche Heilkräuter und Anwendungssoftware für Liebende.

„Im Wandel des Ein- und Ausatmens liegt tiefer Frieden, der der Liebe Freiheit schenkt.“ So wird es ein Tantrika ausdrücken.

 

Was konkret kann Tantra sonst noch für Polyamorie tun?

Aus dem erfahrbaren Verständnis, dass Sexualkraft auch Seelenkraft und Seelenkraft auch Sexualkraft ist, kann Tantra die körperenergetische Quelle für nährende; integrierende Kreisläufe zwischen den Plus- und Minus- Polen der weiblichen und männlichen Empfangs- und Sendeorganen sein. Dazu gehören allem voran die Herzwelle und die Welle der Glückseligkeit.
Die HERZWELLE ist mir die Liebste und mein innigster Wunsch ist es, sie im nächsten Jahrzehnt zu einem ON ROLLING ELEMENT zwischen allen lebendig und bewusst Liebenden zu sehen, zu fühlen, zu riechen, zu schmecken, zu hören.

Begegnungen beginnen und beenden Tantriker gerne mit dem Namasté.
„Nama“ heißt „Ehre“, „Te“ heißt „an dich“. Dabei liegen die Hände vor dem Herzen zusammen. Erhabener Beziehungsboden und -raum für Hingabe öffnen sich und tragen zu einer heilsamen, sinnlichen Gestaltung, auch in polyamoren Begegnungen bei. Neben einer regelmäßigen Meditationspraxis in ihren konkreten, wie auch in ihren formfreien Aspekten, tragen der ehrliche verbale Austausch über Gefühle und eine tragfähige Rückverbindung in das jeweilige eigene Geschlecht, essentiell bei, dass alte Verletzungen zwischen den Geschlechtern nicht Tretminen sind, sondern Brücken in ein neues Vertrauen und Lieben. Achtsame Be-FRIED(EN)-igung, kann eine oberflächliche, sexuelle neu-Gier ablösen und eine offene Experimentierfreude des B-EHRENENs motivieren.

VERTRAUEN und VERBUNDENHEIT ist der Liebe täglich Brot und ein sich gebendes Üben, das immer wieder den Mut und die Zuversicht braucht, durch schattige Altlasten/Prägungen, trügerische Erwartungen und verführerische Neuideologien zu gehen. Und wie ginge das besser, als in Gemeinschaft. Ob nun Poly- oder Monoamorie, in welcher
Genderkonstellation auch immer, die Menschen, sie brauchen sich letztlich gegenseitig. Bei der gegenwärtigen, menschlichen Großwetterlage, bin ich gespannt, wie wir weise und achtsam mit der weiblichen und männlichen Kraft und Anziehung umgehen werden. Um in einem gegenwärtigen, authentischen Miteinander, das sich auf die vielfältige Liebe einlassen möchte, um jenseits von Dogmen und Ausbeutung zu leben.

Zum Schluss möchte ich die Ausgangsfrage noch einmal etwas anders stellen.
In der Hoffnung, dass darin Meisterschaft für Beide liegt und das wahre Potenzial des Weiblichen und Männlichen zum Klingen kommt:
Frau: „Bin ich bereit die Liebe der Männer anzunehmen?“
Mann: „Bin ich bereit in der Liebe der Frau anzukommen?“

 

Text: Yatro Alanah Werner

Website: www.liebeswege-wachleben.de

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Kornelia Werner

Yatro K. Werner, 21 Jahre Leitung des SkyDancing Tantra Institute D&A. Langjährige Erfahrung in sexualtherapeutischer Praxis und Begleitung von Paaren. Ausbilderin, Therapeutin in eigener Praxis. Gestalt¬ und systemische Arbeit, SE Traumatherapie Practicener, Deeper Love stille, energetische Heil¬ und Bewusstseinsarbeit. Meditationen, Zeremonien, Vorträge, Thementage. Künstlerische, rituelle Wandelarbeit in Wort, Bild, Ton und Raum.

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